Publius Petronius

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Paulus von Tarsus (Gemälde von Rembrandt van Rijn)
Paulus stammt weder aus einer jüdischen Familie noch aus Tarsus! Er gehört zur bedeutenden römischen Familie der Petronii und ist der Sohn eines Münzmeisters. Sein Name: Publius Petronius!

Im Jahr 7 n. Chr. wird er in das Kollegium der Auguren von Rom aufgenommen. Das auf Lebenszeit verliehene Amt ist mit hohem Sozialprestige verbunden.

Von 39 bis 42 n. Chr. ist Petronius Statthalter der Provinz Syrien. Caligula befiehlt ihm, im Jahwe-Tempel von Jerusalem eine Statue Caligulas aufzustellen.

Im Frühjahr 40 n. Chr. bricht Petronius von Antiochia auf und zieht in Richtung Jerusalem. Auf diesem Zug treten ihm viele Tausend Juden entgegen und bitten ihn, die Aufstellung der Statue im Tempel zu verhindern. Aus Rücksicht lässt Petronius Heer und Statue in Ptolemais und begibt sich im Spätherbst 40 n. Chr. nach Tiberias, wo er lange mit den Führern der Juden verhandelt. Die religiöse Toleranz des Petronius zeigt sich insbesondere darin, dass er die Gedanken und Gefühle seiner Kontrahenten durchaus zu würdigen versteht. Er bezeichnet die mosaischen Gebote sogar als „vortrefflich“. Seine humane, fast schon „christlich“ anmutende Grundhaltung lässt ihn sogar ganz bewusst das Risiko eingehen, wegen Verzögerung der kaiserlichen Befehle hingerichtet zu werden.

Im Sabbatjahr 40/41 n. Chr. herrscht eine messianisch aufgeheizte Stimmung. Nach der Tora darf in den Sabbatjahren nicht gesät werden, was regelmässig zu Hungersnöten führt. Petronius‘ Einsehen in die Not der Juden wird durch ein Regenwunder belohnt:

«Gott aber bewies dem Petronius, als er auf diese Weise die Menge ermutigt hatte, seine Gegenwart und Macht. Kaum nämlich hatte er seine Rede an die Juden beendigt, als Gott wider alles Erwarten einen heftigen Platzregen niederfallen liess.»

Petronius berichtet Caligula in einem Brief von dem entschlossenen Widerstand der Juden und den göttlichen Zeichen. Caligula ist über seinen Statthalter derartig erzürnt, dass er ihm den Suizid befiehlt:

«Weil du die Geschenke, mit denen die Juden dich bedacht haben, höher als meine Befehle geachtet und dich unterstanden hast, den Juden zulieb anders zu handeln, als dir von mir aufgetragen war, so sollst du jetzt dein eigener Richter sein und selbst bestimmen, was dir geschehen soll, damit du die Wucht meines Zornes fühlst. Denn ich will an dir ein Beispiel aufstellen, das die Mitwelt wie die Nachwelt davor warnen soll, den Befehlen des Caesars zuwiderzuhandeln.»

Dieser Befehl zum Selbstmord erreicht Petronius aber erst, als die Nachricht vom Tode des Kaisers bereits eingetroffen ist.

Ist Publius Petronius identisch mit dem Missionar Paulus von Tarsus? Wie Petronius findet auch Paulus von Tarsus im Sabbatjahr 40/41 n. Chr. eine Hungersnot in Syrien und Palästina vor, und wie der Augur Publius Petronius mit dem Krummstab den Willen der Götter verkündet, so reist auch Paulus von Tarsus mit dem Krummstab ans Apostelkonzil in Jerusalem.

Chronologie des Paulus und des Petronius:

Paulus von Tarsus: Lukas führt Paulus mit dem jüdischen Vornamen Saulus ein. Gegenüber innerchristlichen Gegnern hebt Paulus seine jüdische Abstammung immer wieder hervor.

Publius Petronius: Von 39 bis 42 n. Chr. ist Petronius Statthalter der Provinz Syrien. Caligula befiehlt ihm, im Jahwe-Tempel von Jerusalem eine Statue Caligulas aufzustellen.

Paulus von Tarsus: Laut Lukas beaufsichtigt Paulus im Auftrag des Sanhedrin die vorschriftsmässige Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus.

Publius Petronius: Im Frühjahr 40 n. Chr. bricht Petronius von Antiochia auf und zieht in Richtung Jerusalem. Auf diesem Zug treten ihm viele Tausend Juden entgegen und bitten ihn, die Aufstellung der Statue im Tempel zu verhindern.

Paulus von Tarsus: Seit seiner Bekehrung versteht er sich als von Gott berufener «Apostel des Evangeliums für die Völker». Als solcher verkündet er vor allem Nichtjuden den auferstandenen Jesus Christus.

Publius Petronius: Die religiöse Toleranz des Petronius zeigt sich insbesondere darin, dass er die Gedanken und Gefühle seiner Kontrahenten durchaus zu würdigen versteht.

Paulus von Tarsus: Um 46 n. Chr. besucht Paulus Jerusalem. Dieser Besuch wird oft mit einer Hungersnot in Palästina in Verbindung gebracht.

Publius Petronius: Einsehen in die Not der Juden wird durch ein Regenwunder belohnt: «Gott aber bewies dem Petronius, als er auf diese Weise die Menge ermutigt hatte, seine Gegenwart und Macht. Kaum nämlich hatte er seine Rede an die Juden beendigt, als Gott wider alles Erwarten einen heftigen Platzregen niederfallen liess».

Paulus von Tarsus: In der katholischen Weltkirche wird Paulus als Heiliger angerufen für Regen und Fruchtbarkeit der Felder.

Publius Petronius berichtet Caligula in einem Brief von dem entschlossenen Widerstand der Juden und den göttlichen Zeichen. Caligula ist über seinen Statthalter derartig erzürnt, dass er ihm den Suizid befiehlt.

Paulus von Tarsus wird in Jerusalem von den römischen Behörden verhaftet und nach Rom überstellt.

Publius Petronius beginnt nach Caligulas Tod wohl mit der Missionierung, die ihn auch nach Rom führt.