Mariä Heimsuchung

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The Visitation (Gemälde von Karl von Blaas)
um 10 vor Christus

Juba II. schwängert Kleopatra Selene



MARIÄ HEIMSUCHUNG




«Vieles spricht dagegen, dass es Jesus gegeben hat», schreibt 1999 Rudolf Augstein in seinem Artikel im Spiegel ‘über die scheinheiligen Legenden im Heiligen Jahr’.

«Der ganze Jesus kann eine aus mehreren Figuren und Strömungen synthetisch geformte Erscheinung sein, von phantasievollen, hellenistisch gebildeten Juden bewusst oder unbewusst als eine personifizierte Heilserwartung des jüdischen Volkes erfunden. Die meisten seiner Züge, die in den Evangelien beschrieben werden, sind überindividueller Natur und auch vor ihm schon nachweisbar; die ihm zugedachten Eigenschaften entsprachen offenbar intensiven Bedürfnissen seiner Zeit- und Nachzeitgenossen.»

«Manches spricht aber auch dafür, dass es ihn wirklich gegeben hat», so Augstein weiter. «Es ist zum Beispiel schwer vorstellbar, dass die Evangelien ganz ohne personalen Anlass hätten entstehen können, ohne Inspiration durch den gewaltsamen Tod eines Menschen. So kann wohl doch ein personaler Kern angenommen werden, sonst wäre die ungeheure Motorik der frühchristlichen Bewegung kaum verständlich, obwohl die nun allerdings ohne Paulus nicht zu denken ist. Es kann also durchaus einen Mann gegeben haben, den etliche seiner Mitjuden - einfache Leute wohl - mit Fähigkeiten ausgestattet glaubten, über die sie selbst nicht verfügten, dem sie einen Wechsel der Verhältnisse zutrauten.»

«Interessanteres als das Entstehen der christlichen Religion lässt sich in der Geistesgeschichte schwerlich finden. Der Prozess, wie sich eine Religion aus einer anderen entwickelt und dann fast in ihr Gegenteil verkehrt, lässt sich wie in einem Fixierbad Schicht um Schicht sichtbar machen. Ob in der christlichen Religion am Anfang Jesus stand oder nicht, ist dabei nur einer von vielen Aspekten, wenn auch einer der wichtigsten. Es gilt aber zu verhindern, und dies aktuell im kommenden Christus-Jahr (gemeint ist das Jahr 2000), dass die Frühgeschichte des Christentums geklittert, um nicht zu sagen verfälscht wird.»