Geburt Jesu

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um 9 vor Christus

Geburt von Prinz Ptolemaeus von Mauretanien (Jesus von Nazareth)



GEBURT JESU UND DIE WEISEN AUS DEM MORGENLAND

… dass alle Welt sich schätzen liesse

Die Weisen aus dem Morgenland

Bethlehem: «Haus des Brotes»

Die ägyptische Weihnachtsgeschichte



«Historisch sind weder die Stammbäume, die Jesus als Nachfahren des Königs David ausweisen sollen, noch wurde er von einer Jungfrau geboren», schreibt Rudolf Augstein 1999 in seinem Artikel Ein Mensch namens Jesus.

«Weder war Bethlehem der Geburtsort, noch gab es einen Stern von Bethlehem. Weder gab es den Kindermord des Herodes noch die Flucht nach Ägypten; und der superkluge Zwölfjährige ist auch nicht im Tempel aufgetreten. Nur die Beschneidung, ein nicht gerade häufiges Motiv der sonst so fleissigen Jesus-Maler, dürfte wirklich erfolgt sein - nicht weil sie von Lukas erwähnt wird, sondern weil sie damals bei keinem jüdischen Knaben unterblieb.»

«Dass Jesus in Bethlehem geboren wurde, nehmen wie Johannes Paul II. auch 77 Prozent der Bundesbürger an», so Augstein weiter. «Es ist, soweit wir sehen, einer der wenigen Punkte, bei dem die meisten Deutschen mit diesem hinterwäldlerischen Papst (Johannes Paul II.) übereinstimmen. Dabei ist für fast alle evangelischen Theologen schon seit vielen Jahrzehnten, für die meisten katholischen seit etwa 15 bis 20 Jahren klar, dass Nazareth die Geburtsstadt Jesu ist.

Der Papst glaubt an Bethlehem, weil es bei Matthäus und Lukas so steht, die Deutschen wissen es nicht besser. In ihren Kirchen haben sie es nie anders gehört, in vielen Büchern nicht anders gelesen. Denn noch immer gilt, was der Göttinger Neutestamentler Hans Conzelmann 1959 schrieb: "Die Kirche lebt praktisch davon, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Leben-Jesu-Forschung in ihr nicht publik sind."

Dabei ist Bethlehem nur bei Matthäus und Lukas als Geburtsort genannt, die beiden anderen Evangelisten gehen offenkundig von Nazareth aus. Und dass zwei Evangelisten Bethlehem nennen, hat keinen historischen, sondern einen theologischen Grund: Es ist die Stadt Davids. Im Alten Testament verheisst der Prophet Micha der Stadt Bethlehem: "Die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sei."

Über den Stern von Bethlehem ist eine Menge geschrieben worden, obwohl es, wie der Kieler Neutestamentler Jürgen Becker in seinem Jesus-Buch schreibt, "keinen Stern gibt, der im Osten aufgeht, von Norden nach Süden, konkret: von Jerusalem nach Bethlehem, sich menschlichem Tempo anpassend, einen Weg zeigt, um dann über einem Haus stillzustehen". Gelegentlich wird diese Stern-Legende auf eine Planetenkonstellation im Jahre 7 vor Christus zurückgeführt, wie sie sich nur alle 800 Jahre ereignet.

An der Gräuelstory vom Kindermord des Herodes ("alle, die zweijährig und darunter waren, in Bethlehem und in der ganzen Gegend") ist auch kein wahres Wort. Aber der Kölner Kardinal Joachim Meisner hält an dem Nicht-Ereignis fest, nutzt es sogar für die Agitation gegen die Abtreibung. Im Januar dieses Jahres predigte Meisner im Kölner Dom: "Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen liess, heute unsere Gesellschaft, in der jährlich circa 300.000 unschuldige ungeborene Kinder getötet werden." Und alljährlich begeht die katholische Kirche am 28. Dezember das "Fest der Unschuldigen Kinder". In einem 1982 erschienenen "Lexikon der Namen und Heiligen" werden diese Kinder als "Erstlingsmärtyrer" gefeiert und gleich noch durchgezählt: "vielleicht gegen 20".

Die ganze Legende vom Kindermord und von der Rettung Jesu wurde und wird vermutlich nur erzählt, weil im Alten Testament Mose, der jüdische Religionsstifter, als Kind wundersam gerettet wird und weil Jesus zum christlichen Religionsstifter und zum zweiten Mose stilisiert werden sollte.»