Eine Hinrichtung stellt die Auslegung der Evangelien infrage

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Die Bergpredigt - Aufruf zum Widerstand?
Es ist diese Angst um das eigene kulturelle Erbe, die das Volk der Juden in Unruhe versetzt - und Johannes dem Täufer die Massen zutreibt.

Fernab, in der Wüste von Peräa, bietet Jesu Lehrmeister ungefähr ab 27 n. Chr. ein Entsühnungsbad im Jordan an. Tausende kommen anmarschiert. Johannes, um 5 v. Chr. geboren, trägt ein Gewand aus Kamelhaar, isst wilden Honig und Heuschrecken und rührt keinen Alkohol an.

Auch Jesus stösst zu dem Asketen. Knietief im Wasser stehend, verkündet der Täufer das nahe Gottesgericht, gedacht als Generalabrechnung mit dem Bösen.

Jesus übernimmt später viele Gedanken seines Lehrers. Beim Speisen allerdings mag er es gern üppiger. Seine Gegner nennen ihn einen «Fresser und Weinsäufer».

Der Aufenthalt am Jordan endet für den frischen Täufling mit einem Schock. Der Grund: Johannes hat es gewagt, Herodes Antipas wegen seiner «Schandtaten» zu rügen.

Auch verurteilt er das Sexualleben des Regierungschefs. Der Fürst hat seinem Halbbruder die Frau ausgespannt und dafür die eigene Gattin davongejagt. Das gehe gar nicht, schimpft Johannes. Den Machthabern gilt das als Aufwiegelei: Um 29 n. Chr. stürmen staatliche Büttel heran, überfallen die Kommune des Täufers und verschleppen ihn auf eine nahe Festung.

Diese Verhaftung prägt wohl Jesus. Fortan redet er oft in Gleichnissen - eine Art Chiffriertechnik, um für die Häscher der Obrigkeit nicht greifbar zu sein?

Johannes der Täufer scheint eine historische Figur zu sein. Im Jahr 29 n. Chr. wird Johannes wohl hingerichtet. Ptolemaeus ist seit sechs Jahren König von Mauretanien. Er hatte also genug Zeit, um mit den Vasallenkönigen in den römischen Provinzen Kontakt aufzunehmen. Es ist anzunehmen, dass er auch mit Herodes Antipas, dem Herrscher von Galiläa, Kontakt aufgenommen hat.

Der jüdische Historiker Josephus Flavius erwähnt in seinem Bericht über die Hinrichtung Johannes des Täufers allerdings nichts von einer Kritik des Täufers an der Ehe des Herodes mit Herodias. Er nennt vielmehr politische Motive, die Verhinderung einer möglichen Rebellion, für die Verhaftung des Täufers.

Eine mögliche Rebellion der Juden gegen die Römer scheint mir naheliegender als Motiv für den Tod von Johannes als eine Kritik an der Ehe des Herodes. Ab diesem Zeitpunkt kann man nachvollziehen, weshalb auch Ptolemaeus Schwierigkeiten mit den Römern bekommt: Er hat sich auf die Seite der Juden geschlagen, was 40 n. Chr. auch zu seinem Tod führt.