Antipatros

image-8725283-01_Caspar.jpg
Antipatros (* um 45 v. Chr.; † 4 v. Chr.) ist der älteste Sohn des jüdischen Königs Herodes des Grossen. Er ist von 7 bis 4 v. Chr. der erstplatzierte Thronfolgekandidat, wird aber schliesslich von seinem eigenen Vater noch fünf Tage vor dessen Tod als Strafe für seine verschwörerischen Pläne hingerichtet.

Antipatros (benannt nach seinem aus Idumäa stammenden Grossvater) geht aus der ersten Ehe des Herodes mit der vornehmen Jüdin Doris hervor, die zu einer Zeit (47 v. Chr.) geschlossen wird, als Herodes noch keine konkreten Aussichten auf die Würde und das Amt eines Königs hat.

Sobald Herodes sich mit der hasmonäischen Prinzessin Mariamne verlobt hat, verstösst er seine Frau Doris und deren Sohn Antipatros. Beim Parthereinfall in Judäa (40 v. Chr.) bringt Herodes zwar seine Verlobte Mariamne und deren Mutter Alexandra in der Festung Masada in Sicherheit, lässt aber Doris und den gemeinsamen Sohn Antipatros im belagerten Jerusalem zurück.

Nachdem Herodes 40 v. Chr. den Königstitel aus den Händen der römischen Triumvirn erhalten hat, strebt er danach, die Akzeptanz seines Königtums, das von vielen nationalgesinnten Juden als Fremdherrschaft empfunden wird, im jüdischen Volk zu vergrössern. Er heiratet nun die aus dem königlichen Haus der Hasmonäer stammende Prinzessin Mariamne, eine Enkelin des letzten hasmonäischen Ethnarchen Johannes Hyrkanos II.

Die beiden aus dieser Ehe hervorgegangenen Söhne, Alexandros und Aristobulos, gelten in Jerusalem lange Jahre als die designierten Thronfolger. Antipatros, der Sohn der Doris, ist zu dieser Zeit völlig zurückgesetzt und kann sich keine Hoffnungen darauf machen, je eine solche Stellung zu erreichen. Er darf lediglich von Zeit zu Zeit bei Hof erscheinen. Er muss in dieser Zeit in der deprimierenden Vorstellung einer aus machtpolitischen Gründen erfolgten Zurücksetzung durch den leiblichen Vater leben. Vermutlich wird seine eigene, später zu Tage tretende bedenkenlose Machtgier durch diese Erfahrung geprägt.

Mariamne wird 29 v. Chr. von König Herodes wegen angeblicher Untreue hingerichtet. 22 v. Chr. werden ihre Söhne Alexander und Aristobulos zur Vorbereitung auf ihre politischen Aufgaben nach Rom gesandt, wo sie eine sorgfältige Erziehung am Hof von Kaiser Augustus erhalten, sich aber auch der Geschichte ihrer Familie, der Mordtaten ihres Vaters und ihrer eigenen Stellung sehr bewusst werden. Als sie 17 v. Chr. nach Judäa zurückkehren, kündigen sie an, den Tod ihrer Mutter rächen zu wollen. In der Folgezeit kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen ihnen, dem idumäischen Zweig der Familie und ihrem Vater Herodes.

14 v. Chr. reagiert Herodes schliesslich auf die Entfremdung von seinen Hasmonäer-Söhnen mit einer Wiederzulassung seiner ersten Frau Doris an seinem Hof. Auch sein bisher zurückgeschobener Sohn Antipatros erhält nun – zur Empörung von Alexander und Aristobulos – eine Stellung als möglicher Thronfolger zugewiesen. Er steht damit in einer scharfen Konkurrenz zu seinen Halbbrüdern, den beim Volk sehr beliebten Mariamne-Söhnen.

Je älter König Herodes wird, desto dringender wird es aus der Sicht der verschiedenen Thronprätendenten, sich optimal für die Nachfolge zu positionieren. Antipatros bemüht sich in diesem Spiel nach Kräften, gegen seine Halbbrüder zu intrigieren. Dabei wird er von seinem Onkel Pheroras, einem Bruder des Herodes, und seiner Tante Salome, einer Schwester des Königs, unterstützt, die von einer Thronfolge der Mariamne-Söhne Nachteile und Gefahren für ihre eigene Stellung befürchten. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet, dass Antipatros es ausgezeichnet versteht, sich bei seinem Vater Herodes einzuschmeicheln und zugleich seinen eigenen Ehrgeiz zu verbergen, indem er sich oft zu einem scheinbaren Fürsprecher seiner Halbbrüder macht. Nachdem die Mariamne-Söhne wegen angeblicher Umsturzpläne 7 v. Chr. tatsächlich von Herodes angeklagt und hingerichtet worden sind, ist Antipatros am Ziel: Er rückt an die erste Stelle der möglichen Thronfolger auf.

Sofort drängt er seinen Vater, ihn mit Mariamne, der jüngsten Tochter des hingerichteten Prinzen Aristobulos, zu verloben. König Herodes, der eigentlich andere Pläne mit Mariamne gehabt hat, willigt, wenn auch – wie Flavius Josephus berichtet – nach einer anfangs zornigen Reaktion widerstrebend in diesen Plan ein und zeigt damit, dass er bereit ist, die politischen Vorstellungen seines Sohnes Antipatros bei seinen Überlegungen zu berücksichtigen.

4 v. Chr. werden jedoch die verschwörerischen Pläne Antipatros’, der sich zur Tarnung nach Rom begeben hat, und seine Verwicklung in die Intrigen, die zur Hinrichtung der Mariamne-Söhne geführt haben, aufgedeckt. König Herodes stellt nun erbarmungslos auch Antipatros vor Gericht, lässt ihn zum Tod verurteilen und nur wenige Tage vor seinem eigenen Tod 4 v. Chr. hinrichten. Als Haupterben übernehmen Herodes Archelaos und Herodes Antipas (beide aus der Ehe mit der Samaritanerin Malthake) seine Hinterlassenschaft.

Ist Antipatros identisch mit Caspar, einem der Drei Heiligen Könige? Caspar, der die Myrrhe als Geschenk mitführt, wird als schwarzer Afrikaner dargestellt, was seine Herkunft aus Idumäa erklären könnte. Strabon schreibt, die Idumäer wären Nabatäer gewesen, also Araber, die sich aufgrund eines Stammeszwists von den Nabatäern getrennt, sich westlich von ihnen angesiedelt und in der Folge Sitten und Gebräuche der Juden weitgehend übernommen hätten. Das getrocknete, gelbbraune Harzgranulat der Myrrhe wird seit Jahrtausenden vor allem in Jemen, Äthiopien, Sudan, Somalia und im alten Ägypten verwendet.