Die auf der Leinwand
unmittelbar sichtbare Arbeit der Schauspieler macht nur einen geringfügigen
Teil der Tätigkeiten aus, die bei der Herstellung eines Filmes anfallen. Der
grösste Teil spielt sich hinter der Kamera ab, und bei aufwendigen Produktionen
wirken oft umfangreiche Mitarbeiterstäbe und zuweilen Tausende von Komparsen
mit. Die folgende Schilderung bezieht sich hauptsächlich auf die
Produktionsweise des Spielfilmes, gilt aber in Teilen auch für den
Dokumentarfilm. Zu den wichtigsten Mitwirkenden hinter den Kulissen zählen
Produzent, Drehbuchautor, Regisseur, Produktionsleiter, Regieassistent, erster
Kameramann, Besetzungsleiter, Cutter, Tonschnittmeister, Komponist,
Aufnahmeleiter und Kostümbildner.
Der Produzent betreut die Entwicklung, die Produktion von der Idee bis
zum abgeschlossenen Film. Er organisiert die Finanzen für das Projekt, stellt
den Mitarbeiterstab zusammen und trifft schliesslich die Vorbereitungen für den
Vertrieb des fertigen Produkts. Sind Mittel unabhängiger, projektspezifischer
Geldgeber im Spiel, wird der Produzent häufig zum allgemeinen, verantwortlichen
Geschäftspartner ernannt. Studios, Verleihfirmen oder andere Beteiligte können
einen oder mehrere Vertreter als Produktionsleiter benennen.
Die Aufgabe der Drehbuchautoren ist je nach Art des
Filmes sehr unterschiedlich. Sie kann in der Entwicklung einer Idee liegen,
gegebenenfalls der Umsetzung eines Romans, Bühnenstückes oder Musicals in ein
Filmdrehbuch. Als erster Schritt wird gewöhnlich ein Abriss der Handlung bzw.
des Inhalts erstellt. Anschliessend folgt der Entwurf, eine genaue Beschreibung
des Filmes, der meist Ausschnitte aus den Dialogen, die gesamten Szenen in
Skizzenform sowie die Positionen der Nebenhandlungen enthält. Wird der Entwurf
genehmigt, kann der Autor damit beginnen, das Skript oder Drehbuch zu
schreiben, das Handlung und Dialog detailliert ausführt. Mitunter gibt das
Skript auch Anweisungen für Kamerabewegung und Schnitt. Heutzutage werden diese
jedoch als eigenständige Aufgabenbereiche betrachtet, die der Aufsicht des
Regisseurs unterstehen. Anders als bei einem Bühnenstück, werden beim Film alle
Rechte im Voraus erworben, und die Produzenten können folglich nach Belieben
mit dem Drehbuch verfahren.
Die Schlüsselfigur bei
der Entstehung eines Filmes ist der Regisseur.
Er sorgt für die filmische Realisierung des Drehbuchs und leitet den
Produktionsstab und die Schauspieler bei der täglichen Arbeit an. Der Regisseur
übernimmt so die künstlerische Aufsicht über den gesamten Hergang, vom Drehbuch
bis zum Endschnitt des Filmes. Sein Gefühl für Inszenierung und kreative
bildliche Umsetzung des Skriptes sind es, die aus einer Geschichte einen guten
Film machen. Der Regisseur wird gewöhnlich vom Produzenten ausgesucht und
stellt mit ihm gemeinsam das Produktionsteam zusammen. Sind Drehbuchautor und
Regisseur (ggf. auch Produzent) ein und dieselbe Person, spricht man von
Autorenfilm. Bei künstlerisch anspruchsvollen Filmen ist dies besonders im
europäischen Kino häufig der Fall (Fassbinder u.a.m.).
Der Produktionsleiter ist gegenüber dem Produzenten für die Zeitplanung
und die Auswahl eines grossen Teiles der Mitarbeiter verantwortlich, ferner für
das Einholen von Genehmigungen betroffener Behörden und Eigentümer bei Aussenaufnahmen
und die gesamte Materialbeschaffung und Dienstleistungslogistik. Ausserdem
fällt die Erledigung der täglichen Arbeiten bei der Führung des
Produktionsbüros in seinen Zuständigkeitsbereich.
Abhängig vom Budget und
der Komplexität der Produktion werden einer oder mehrere Regieassistenten eingesetzt. Der erste Regieassistent kümmert sich
um die Einhaltung der Produktionstermine und die detaillierte Planung einzelner
Drehtage in Absprache mit Aufnahmeleiter und Regisseur. Während der Aufnahmen
unterstützt er den Regisseur und assistiert bei der Vorbereitung jeder Szene.
Die anderen Regieassistenten gehen ihm bei den restlichen Aufgaben zur Hand
oder erledigen sie selbständig, wie die Organisation des Transports zum Drehort
und andere logistische Details.
Der erste Kameramann, der auch lichtsetzender Kameramann genannt wird, arbeitet eng mit
dem Regisseur zusammen und setzt dessen Vorstellungen von Stimmung und
Atmosphäre einer jeden Einstellung bezüglich Licht, Schatten und Komposition
um. Weitere Kameraleute können mit Spezialeffekten beauftragt werden.
Bei der Auswahl der
Schauspieler für einen Film muss ein Besetzungsleiter
neben den darstellerischen Fähigkeiten und der Berufserfahrung eines
Schauspielers noch weitere Kriterien berücksichtigen: seine Eignung für die
spezifische Rolle, seine Zugkraft beim Publikum und damit seinen Einfluss auf
die Kasseneinnahmen. Häufig arbeiten bestimmte Schauspieler und Regisseure
während ihrer Karriere in vielen Produktionen zusammen.
Der Film besteht aus
einer Folge tausender verschiedener Einzelbilder, und deren Zusammensetzung zu
einem fliessenden, rhythmischen Ganzen verlangt eine ganz eigene
Kunstfertigkeit. Dies ist die Aufgabe der Cutter,
die ihrerseits Teams von Spezialisten für die Auswahl und den Schnitt der
Tonspuren und Negativfilme beaufsichtigen. Der Cutter beginnt mit der Synchronisisation von Film und Tonspur und führt täglich
die Bildmuster (alle Aufnahmen eines Tages) in Anwesenheit des Regisseurs und
wichtiger Mitglieder der Crew vor. Heutzutage werden viele Filme auf
Videobänder kopiert, geschnitten und danach wieder auf Film übertragen. Die
Vorbereitung der Bildmuster wird während der Dauer der Produktion täglich
vorgenommen. Ist das Material für den Rohschnitt des Filmes komplett, beginnt
die Nachbearbeitung. Sobald der Regisseur und der Produzent die endgültige
Fassung festgelegt haben, korrigieren der Cutter oder ein Tonschnittmeister alle Fehler und Abweichungen der Tonaufnahmen.
Soweit erforderlich, nimmt er mit den Schauspielern im Studio eine
Nachsynchronisation des Dialoges vor, wobei sie die Handlung gleichzeitig auf
einer Projektionswand verfolgen können. Cutter und Tonschnittmeister stellen ausserdem
Tonaufnahmen zusammen und produzieren gegebenenfalls neue Toneffekte, die die
Dramatik bestimmter Szenen steigern. Während der Bearbeitung des Tones sorgt
der Cutter zugleich für das Einfügen der optischen Effekte und Titel. Einer der
letzten Schritte im Schneideprozess sind Vorbereitung und Abmischung der
einzelnen Tonspuren auf einem so genannten Master-Tape (Original-Magnetband),
das Dialoge, Musik und Toneffekte auf getrennten Spuren, synchronisiert mit dem
Bild, enthält. Auf die Tonspuren des Master-Tapes (bzw. seiner Kopien) wird
auch bei fremdsprachigen Fassungen der entsprechende Ton aufgenommen.
Der Komponist entwirft die Filmmusik, die den Filmton
im engeren Sinne (Dialoge und Geräusche) ergänzt, nach Vorgaben des Regisseurs
und später eventuell in Kooperation mit dem Cutter. Filmmusik kann beim
Zuschauer nicht nur Stimmungen erzeugen, sondern auch seine Erwartungshaltung
steuern. So kündigt sie häufig ein dramatisches Geschehen an oder typisiert
sogar Akteure (indem sie sie z. B. in Kriminalfilmen als verdächtig
ausweist) und unterstützt insofern das Filmbild als eigenständiges
Erzählmittel.
Im Allgemeinen wird der
künstlerische Leiter einer Produktion, der für die Ausstattung des Drehortes
und somit auch für das gesamte Erscheinungsbild des Filmes verantwortlich ist,
als Filmarchitekt, Ausstatter oder Szenenbildner bezeichnet. Bei Filmen,
in denen die Kostüme der Schauspieler einen grossen Teil dieses
Erscheinungsbildes ausmachen, wie in Historienfilmen, ist der Kostümbildner ein wichtiges Mitglied
des Produktionsteams. Weitere Spezialisten werden für Licht, Maske und andere
optische Aspekte der Produktion benötigt.
Verleihfirmen leihen den Film von den Produzenten oder Produktionsfirmen, bringen
ihn auf den Markt und betreiben Werbung für ihn, verteilen Kopien des Filmes an
die Filmtheater (bzw. die Verantwortlichen einer Kino-Kette), organisieren
öffentliche und private Fernsehübertragungen sowie den Videoverleih und
-verkauf. Häufig werden diese Aufgaben in Form von Lizenzen an andere Verleiher
weitergegeben, die sich auf bestimmte Märkte spezialisiert haben. Der Produzent
entrichtet für diesen Dienst einen bestimmten Prozentsatz seiner Einnahmen an
die Verleihfirma, in der Regel zwischen 10 und 50 Prozent der
Nettoeinnahmen, und beteiligt sich an den Kosten für Filmkopien und Werbung.